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Bericht von Karl Kühberger, Seniorchef des Abschleppdienstes Kühberger in Mautern, am 24. Februar 2010
“Am 01.01.1970 begann ich meinen Betrieb Autoverwertung, Kfz-Handel und Abschleppdienst.
Es war die Zeit, in der sich die deutschen Gastarbeiter ihre ersten Autos kauften. Großteils machten sie den Führerschein in Deutschland mit einem Dolmetscher. Sie fuhren hauptsächlich Opel, Ford (Transit), Mercedes, VW, Audi. Für die meisten war es eine Prestigesache in ihrer Heimat mit dem erst erworbenen Fahrzeug anzukommen.
Zu 80% waren die Fahrzeuge überladen. Hausbaumaterial, Waschpulver, Lebensmittel wurden mitgenommen. Sehr viele Unfälle passierten dadurch, weil meistens mehrere Familien gemeinsam mit ihren Fahrzeugen in ihre alte Heimat nach Jugoslawien, Türkei usw. fuhren. Wenn der erste der Gruppe überholte, glaubten die Nachkommenden auch überholen zu müssen, da sie den ersten nicht verlieren wollten.
Spitzentag der Unfälle war zu Ostern 1974, 21 Totalschäden auf 15 Straßenkilometern in 24 Stunden. Es waren 10 cm Schnee auf der Bundesstrasse 113. Unerfahrenheit war eine weitere Unfallursache. Zum Beispiel wurde ich einmal von der Tankstelle aus angerufen, dass bei ihnen ein neuer Ford Granada steht, bei dem die Lenkung kaputt sein soll. Es war Schneefall, ich machte eine kurze Probefahrt, wobei das Heck auf der schneebedeckten Strasse kurz ausbrach. Der Fahrzeugbesitzer diagnostizierte den Mangel des Fahrzeuges am Ausbrechen des Hecks...
Richtung Heimat waren die Fahrzeuge gut bereift. Auf der Rückreise nach Deutschland fuhren die Gastarbeiter großteils mit schlechten Reifen, da sie die guten Reifen ihren Verwandten in der Heimat überließen. Bei der Rückreise nach Deutschland waren die Fahrzeuge überladen mit Melonen, Paprika, Pfefferoni, Schafskäse, Hirse und anderem Gemüse, Fleisch und sogar Spanferkel wurden mitgenommen.
Zu jeder Tages- und Nachtzeit wurden die verunfallten Lenker mit ihren Familien in unserer Küche und unserem Büro aufgenommen, bis die jeweilige Weiterfahrt geklärt war. Es wurden von uns Leihwagen, Taxis besorgt oder die Leute zum Bahnhof gebracht. Manchmal gab es auch sprachliche Schwierigkeiten.
Oft waren auch die Unfalllenker vom Unfallort sofort ins Krankenhaus gebracht worden und waren nach ihrer Genesung sehr froh, dass sie ihre Gepäcks- und Wertgegenstände vollständig in ihren Fahrzeugen vorfanden. Einmal passierte es, dass ein Türke tödlich verunglückte. Laut Angaben seiner Angehörigen hatte dieser Mann vor der Abreise in Deutschland DM 1.000,- von seinem Bankkonto abgehoben. Trotz gründlicher Durchsuchung von der Gendarmerie und uns wurde das Geld im Fahrzeug nicht gefunden. Der Fahrzeuglenker wurde in Kalwang begraben und nach einer Woche wieder exhumiert. Da fand der Bestatter durch einen Hinweis eines Angehörigen die DM 1.000,- in der Unterhose eingenäht. Zum damaligen Zeitpunkt mussten die Einreisenden in die Türkei beim Staat für die Geldbeträge Abgaben zahlen.
Sämtliche beteiligte Einsatzkräfte waren froh, dass das Geld doch noch aufgefunden wurde. Ich bin stolz darauf dass in meiner langjährigen Tätigkeit nie Gepäck oder Wertgegenstände abhanden gekommen sind, wofür ich auch zahlreiche Dankschreiben von Unfalllenkern bekommen habe.”
Karl Kühberger
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