Autoverwertung Kühberger - kenne ich noch aus meiner eigenen Kindheit und Jugend, in Mautern in der Obersteiermark direkt an der Gastarbeiterroute gelegen war der Platz ständig voll mit Unfallwracks. In Erinnerung ist mir, dass an den meisten Wracks noch deutsche Kennzeichen montiert waren, das hatte man ja sonst nirgends zu sehen bekommen...

Der Seniorchef der Firma (im Bild links) Karl Kühberger hat für dieses Projekt Fotos aus seinem Archiv zur Verfügung gestellt, und schildert hier persönlich seine eigene Meinung zu dieser Zeit auf der Gastarbeiterroute.

Foto oben: Kleine Zeitung 1978

Hier können Sie eines dieser Dankschreiben lesen, bitte klicken Sie HIER

Bericht von Karl Kühberger, Seniorchef des Abschleppdienstes Kühberger in Mautern, am 24. Februar 2010

“Am 01.01.1970 begann ich meinen Betrieb Autoverwertung, Kfz-Handel und Abschleppdienst.

Es war die Zeit, in der sich die deutschen Gastarbeiter ihre ersten Autos kauften. Großteils machten sie den Führerschein in Deutschland mit einem Dolmetscher. Sie fuhren hauptsächlich Opel, Ford (Transit), Mercedes, VW, Audi. Für die meisten war es eine Prestigesache in ihrer Heimat mit dem erst erworbenen Fahrzeug anzukommen.

Zu 80% waren die Fahrzeuge überladen. Hausbaumaterial, Waschpulver, Lebensmittel wurden mitgenommen. Sehr viele Unfälle passierten dadurch, weil meistens mehrere Familien gemeinsam mit ihren Fahrzeugen in ihre alte Heimat nach Jugoslawien, Türkei usw. fuhren. Wenn der erste der Gruppe überholte, glaubten die Nachkommenden auch überholen zu müssen, da sie den ersten nicht verlieren wollten.

Spitzentag der Unfälle war zu Ostern 1974, 21 Totalschäden auf 15 Straßenkilometern in 24 Stunden. Es waren 10 cm Schnee auf der Bundesstrasse 113. Unerfahrenheit war eine weitere Unfallursache. Zum Beispiel wurde ich einmal von der Tankstelle aus angerufen, dass bei ihnen ein neuer Ford Granada steht, bei dem die Lenkung kaputt sein soll. Es war Schneefall, ich machte eine kurze Probefahrt, wobei das Heck auf der schneebedeckten Strasse kurz ausbrach. Der Fahrzeugbesitzer diagnostizierte den Mangel des Fahrzeuges am Ausbrechen des Hecks...

Richtung Heimat waren die Fahrzeuge gut bereift. Auf der Rückreise nach Deutschland fuhren die Gastarbeiter großteils mit schlechten Reifen, da sie die guten Reifen ihren Verwandten in der Heimat überließen. Bei der Rückreise nach Deutschland waren die Fahrzeuge überladen mit Melonen, Paprika, Pfefferoni, Schafskäse, Hirse und anderem Gemüse, Fleisch und sogar Spanferkel wurden mitgenommen.

Zu jeder Tages- und Nachtzeit wurden die verunfallten Lenker mit ihren Familien in unserer Küche und unserem Büro aufgenommen, bis die jeweilige Weiterfahrt geklärt war. Es wurden von uns Leihwagen, Taxis besorgt oder die Leute zum Bahnhof gebracht. Manchmal gab es auch sprachliche Schwierigkeiten.

Oft waren auch die Unfalllenker vom Unfallort sofort ins Krankenhaus gebracht worden und waren nach ihrer Genesung sehr froh, dass sie ihre Gepäcks- und Wertgegenstände vollständig in ihren Fahrzeugen vorfanden. Einmal passierte es, dass ein Türke tödlich verunglückte. Laut Angaben seiner Angehörigen hatte dieser Mann vor der Abreise in Deutschland DM 1.000,- von seinem Bankkonto abgehoben. Trotz gründlicher Durchsuchung von der Gendarmerie und uns wurde das Geld im Fahrzeug nicht gefunden. Der Fahrzeuglenker wurde in Kalwang begraben und nach einer Woche wieder exhumiert. Da fand der Bestatter durch einen Hinweis eines Angehörigen die DM 1.000,- in der Unterhose eingenäht. Zum damaligen Zeitpunkt mussten die Einreisenden in die Türkei beim Staat für die Geldbeträge Abgaben zahlen.

Sämtliche beteiligte Einsatzkräfte waren froh, dass das Geld doch noch aufgefunden wurde. Ich bin stolz darauf dass in meiner langjährigen Tätigkeit nie Gepäck oder Wertgegenstände abhanden gekommen sind, wofür ich auch zahlreiche Dankschreiben von Unfalllenkern bekommen habe.”

Karl Kühberger


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Foto: Autoverwertung Kühberger

Nicht nur die Fahrzeuge mussten geborgen werden, oft waren auch die gesamten Habseligkeiten der Opfer weit am Unfallort verstreut worden, hier im Bild wurde nach einem Unfall alles was im Wagen selbst und am Dachträger verstaut war eingesammelt, und zur Abholung aufbewahrt. Im Hintergrund sieht man einen voll bepackten Ford Transit.


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Foto: Autoverwertung Kühberger

1970 gegründet, landeten auf diesem Platz tausende Fahrzeuge, bei denen es oft nichts mehr zu verwerten gab. Die folgenden Bilder hat Karl Kühberger in einem Zeitraum von vielen Jahren aufgenommen, hinter jedem dieser Wracks steht ein menschliches Schicksal.

Foto: Autoverwertung Kühberger

Im Bild: Karl Kühberger

Diese Aufnahme zeigt einen Peugeot 404. Auch hier ist das Kennzeichen noch am Wrack.

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Die verletzten Fahrer lagen im UKH Kalwang, die Hunde passten auf deren im Wrack verbliebenen Habseligkeiten auf.

Foto: Autoverwertung Kühberger

Nach nur 220km Fahrt war für diesen Gastarbeiter aus Traunstein in Bayern Schluss. Meistens blieben an den Unfallfahrzeugen die deutschen Kennzeichen am Wrack. Für Österreicher ein eher ungewohnter Anblick, da in Österreich die Kennzeichen in solch einem Fall abgegeben werden müssen. Foto: Autoverwertung Kühberger

Völlig zerstört - ein “Knudsen-Taunus” - irgendwann zwischen 1972 und 1976 gebaut, hat dieses Fahrzeug sein Ende wohl an einem Baum oder einem Telefonmasten gefunden. Foto: Autoverwertung Kühberger

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<< Sehr frühe Aufnahme des Autoplatzes.

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Wenig blieb von diesem Ford übrig...

Diese Aufnahme stammt wohl aus den späteren 80er Jahren.

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Ein Strichachter der ersten Serie - rostfrei - war nicht das typische Fahrzeug eines Gastarbeiters. Diese Aufnahmen dürften rund um das Jahr 1975 entstanden sein.

 

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Fotos: Autoverwertung Kühberger

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Eine Aufnahme aus den frühen neunziger Jahren zeigt im Hintergrund die mittlerweile fertiggestellte Autobahn.


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Karl Kühberger in einem Zeitungsinterview am 27.8.1978

Der Auto-Abschlepper Karl Kühbergerger in Liesingau ist rund um die Uhr einsatzbereit. Mit seinem Abschleppwagen hat er schon hunderte Wracks von der B67 geholt.

Und er zeigt auf seinem Platz zwischen den Unfallwagen auf ein weisses Metallknäuel: "Da drinnen sind drei Türken gestorben. Der ist gegen den blauen dort drüben geprallt. Und der hier - mein Gott da gibt´s viele Schicksale."

Und weiter: "Das Geschäft hat vor sieben, acht Jahren langsam begonnen. Dann sind es immer mehr und mehr geworden.Wenn alle wieder aufstehen könnten die in dieser Zeit gestorben sind - so 300 Tote werden das schon sein. Und ich sag´s ihnen ganz ehrlich: Manchmal möcht´ich auf ein Geschäft verzichten. Dann, wenn Kinder dabei sind, dann wenn man eindeutig sieht dass Unschuldige dran glauben mussten. Da denkt man nicht ans Geschäft. So wie damals der Unfall mit zehn Toten, da waren meine Freunde dabei..."

Zwischen den Autowracks - fast alle haben noch ein deutsches Kennzeichen - zwischen diesen zermalmten, zerquetschten Autoresten, tauchen plötzlich Gänse und Enten auf, aufgeregt watschelndes Federvieh: "Diese Viecherln sind zur Ablenkung da", sagt Karl Kühberger. “Wenn Angehörige kommen und Sachen von den Verletzten und Toten abholen, dann sind auch oft Kinder dabei. Und diese Kinder wollen dann in den Wracks spielen. So spielen sie dann halt mit den Gänsen."

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