Steiermark - die Bundesstrassen zwischen Spielfeld und Radstadt in den Jahren 1965 - 1989 waren ein Salat aus Blut & Blech...

Kein ABS, keine Gurten, der damalige Sicherheitsstandard bei den Fahrzeugen wäre für heutige Verhältnisse undenkbar. Fahrgastzellen klappten bei Unfällen wie Taschenmesser zusammen, Lenksäulen bohrten sich in die Fahrer - wenn diese nicht vorher schon durch die Frontscheibe geschleudert wurden - Motoren schoben sich in die Fahrgastzellen - Kindersicherung war ein Fremdwort, die Kinder wurden meist aus den Heckfenstern oder durch die Frontscheibe direkt ins Jenseits befördert...

Die Millionen Gastarbeiter die den Weg von Deutschland nach Jugoslawien und in die Türkei suchten hatten zusätzlich noch das Handikap völlig desolate Fahrzeuge zu besitzen. 95% der 1975 bei einer technischen Überprüfung am Grenzübergang Walserberg angehaltenen Gastarbeiter hatten schwere technische Mängel an den Fahrzeugen. Zusätzlich noch waren die Wagen meist völlig überladen und die Fahrer spätestens in der Steiermark total übermüdet. Egal ob die Reise in Deutschland oder in der Türkei begann - die erste und oft auch die letzte Nacht war Steiermark. Eingeschlafene Fahrer rasten ungebremst gegen Lastwagen oder fuhren in Kurven einfach geradeaus weiter - bis zum nächsten Hindernis. Viele Familien fuhren im Konvoi, wenn der Erste überholte taten dies oft die nächsten sofort und ohne Rücksichtnahme auf den Verkehr - nur um den Vorausfahrenden nicht zu verlieren. Viele verloren dabei aber alles - auch das Leben

fred

Direkt an der Gastarbeiterroute aufgewachsen während der Kindheit und Jugend permanent mit der Problematik dieser Strasse konfrontiert - habe ich mir zur Aufgabe gemacht, diesen mittlerweile in Vergessenheit geratenen Verkehrsweg mit seinen tragischen Schicksalen zu erforschen und der Nachwelt zu erhalten

Foto: Ferry Friedl

Treffen konnte es jeden, der die Gastarbeiterroute befahren hat. Familie Kosar aus der Türkei war am Ende genauso Opfer wie der Parteichef der österreichischen Volkspartei, Dr. Karl Schleinzer 1975, der damals in der Nähe von Bruck gegen einen türkischen Sattelschlepper gefahren war, oder wie auch zu Pfingsten 1986 die Volksmusikgruppe “Sulmtaler Dirndln”, die damals zu einer Benefizveranstaltung zugunsten Behinderter unterwegs war und bei Mautern verunglückte. 2 Tote und 9 schwerst Verletzte blieben auf der Liesingtal Bundesstrasse. Die Gastarbeiterroute konnte mit noch nie dagewesenen Unfallzahlen aufwarten. Aber auch die Anzahl der Todesopfer bei einzelnen Unfällen wäre heute undenkbar. So wie im September 1974, als bei einem einzigen Frontalzusammenstoss am Schoberpass 10 Tote auf der Strasse geblieben sind.

1974 wurden alleine am Friedhof in Kalwang 36 türkische Gastarbeiter begraben, die auf einem Strassenstück von nur 15km ums Leben gekommen sind. Das waren aber nur jene, die nicht innerhalb von 72 Stunden von den Angehörigen abgeholt wurden..

<< Dieses Foto von der berüchtigten Leobener Umfahrung ging in den 70er Jahren durch die gesamte Presse. Das Mädchen hatte als Einzige einen Frontalzusammenstoss überlebt. Die Eltern und Großeltern waren sofort tot.

Diese Transitroute gibt es nun seit gut 20 Jahren nicht mehr. Der Jugoslawienkrieg 1991 zwang den Transit auf eine neue Route über Ungarn und Rumänien, im steirischen Teil ziehen sich nun durchgehend Autobahnen durch die Landschaften, die durchreisenden Gastarbeiter gibt es nicht mehr, sie wurden in den Gastländern mittlerweile seßhaft. Bevor dieser Weg und seine tausende Opfer und Betroffenen ganz in Vergessenheit geraten habe ich beschlossen, dieses Kapitel der österreichischen Verkehrsgeschichte der Nachwelt zu erhalten.

Dieses Werk soll allen Opfern gewidmet sein, die auf dieser Straße ums Leben gekommen sind, aber im Besonderen auch all jenen die bei diesen Unfällen Hilfe geleistet haben wie Polizei, Gendarmerie, Feuerwehren, Rettungseinsatzkräfte - diese Menschen mussten unerträgliche psychische Belastungen ertragen. Beinahe täglich mussten Tote aus den Fahrzeugen geschnitten werden, nur allzu oft waren auch Kinder darunter - oder beinahe noch schlimmer - überlebende Waisen...

Da ich noch mitten in der Recherche bin bin ich für jeden Hinweis, jeden Bericht oder auch jedes Foto dankbar.

Ich danke an dieser Stelle allen Feuerwehren, Behörden, Hilfsorganisationen, Zeitungen, Firmen und Privatpersonen die ich bisher kontaktiert habe für die Zurverfügungstellung von Bildern und Berichten, und bitte um Mithilfe aller bei meinen Recherchen. Wenn Sie einen Beitrag zu diesem Projekt leisten möchten senden Sie bitte ein MAIL

Kontaktinformationen finden Sie auch im IMPRESSUM

Mein erster Dank gilt der Firma KRAFTSTROM.AT in St. Pölten, die den Webspace für dieses Projekt kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Weiteren Dank im Vorfeld möchte ich der Abteilung Club Historic & Oldtimer des ÖAMTC für das zugesagte umfangreiche Datenmaterial aus der AUTO TOURING der Jahrgänge 1969 - 1979 aussprechen. Weiterer Dank gilt der “KLEINEN ZEITUNG” in Graz, die ebenfalls Archivmaterial für dieses Projekt zugesagt hat. Umfangreiches Datenmaterial wurde mittlerweile auch von der FEUERWEHR BRUCK a.d.Mur zugesagt, vielen Dank an den Kommandanten und Gratulation zum 140 jährigen Bestehen!

Bilder und Texte dieser Website stehen unter Copyright. Veröffentlichung nur mit Genehmigung!